Pressemitteilungen

VDSI zum Welttag für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz

Psychosoziale Belastungen gehören in jede Gefährdungsbeurteilung

Arbeitsschutz endet nicht beim Helm: VDSI fordert konsequente Prävention psychischer Belastungen in allen Branchen

Anlässlich des Welttags für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz am 28. April 2026 weist der VDSI – Verband für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei der Arbeit e.V. auf die wachsende Bedeutung psychosozialer Risiken in der Arbeitswelt hin. Das diesjährige Motto der Internationalen Arbeitsorganisation ILO, „Let’s ensure a healthy psychosocial working environment“, macht deutlich: Ein gesundes psychosoziales Arbeitsumfeld ist kein „weiches“ Zusatzthema, sondern zentraler Bestandteil moderner Prävention.

Zeit- und Leistungsdruck, Arbeitsverdichtung, Personalmangel, ständige Erreichbarkeit, unklare Zuständigkeiten, Arbeitsplatzunsicherheit, Konflikte, Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz können Sicherheit, Gesundheit und Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigen. Psychosoziale Risiken betreffen nicht einzelne Branchen, sondern nahezu alle Arbeitsbereiche – von Industrie und Verwaltung über Gesundheitswesen, Bildung, Dienstleistungen und Logistik bis hin zum Bau.

Der aktuelle globale Bericht der ILO verdeutlicht die Dimension: Psychosoziale Risikofaktoren stehen weltweit mit mehr als 840.000 Todesfällen jährlich und nahezu 45 Millionen verlorenen gesunden Lebensjahren in Verbindung. Auch die Datenlage in Deutschland zeigt Handlungsbedarf. Nach dem DGUV Barometer Arbeitswelt 2025 berichten 51 Prozent der Befragten von zunehmendem Zeitdruck, 43 Prozent von einem gereizteren Betriebsklima. Die BAuA beziffert die Produktionsausfallkosten durch psychische und Verhaltensstörungen für das Jahr 2024 auf 22,5 Milliarden Euro; der Ausfall an Bruttowertschöpfung liegt bei 38,0 Milliarden Euro.

„Psychosoziale Belastungen sind kein privates Randthema, sondern ein zentraler Bestandteil des Arbeitsschutzes“, erklärt Dr. Silvester Siegmann, Vorstandsvorsitzender des VDSI. „Wer sichere und gesunde Arbeit ernst nimmt, muss auch Arbeitsorganisation, Führung, Kommunikation, Zeitdruck und Zusammenarbeit systematisch betrachten. Prävention bedeutet heute: technische, organisatorische, soziale und gesundheitliche Faktoren zusammenzudenken.“

Der VDSI betont: Die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung ist in Deutschland längst gesetzlich verankert. Entscheidend ist jedoch die konsequente Umsetzung in der betrieblichen Praxis. Dabei kommt den Fachkräften für Arbeitssicherheit, Sicherheitsingenieurinnen und Sicherheitsingenieuren, Betriebsärztinnen und Betriebsärzten, Fachleuten für betrieblichen Gesundheitsschutz sowie weiteren Präventionsexpertinnen und -experten eine Schlüsselrolle zu.

„Unsere mehr als 5.600 Mitglieder erleben täglich, dass gute Prävention nur interdisziplinär gelingt“, so Siegmann. „Psychosoziale Gesundheit muss in der Gefährdungsbeurteilung, in der Führungskultur, in der Arbeitsgestaltung und in der betrieblichen Kommunikation fest verankert werden. Unternehmen profitieren davon unmittelbar: durch gesündere Beschäftigte, weniger Ausfallzeiten, mehr Stabilität und eine bessere Sicherheitskultur.“

Besonders sichtbar werden psychosoziale Risiken dort, wo Arbeit unter hohem Zeit-, Koordinations- und Verantwortungsdruck stattfindet – etwa auf Baustellen, in komplexen Projektstrukturen, in der Pflege, in Einsatz- und Notfallsituationen oder in stark verdichteten Verwaltungs- und Dienstleistungsprozessen. Dynamische Abläufe, Schnittstellenprobleme, Subunternehmerketten, Personalmangel und enge Fristen können Belastungen zusätzlich verstärken. Gerade deshalb müssen psychosoziale Faktoren frühzeitig in Planung, Organisation und Führung berücksichtigt werden.

Der VDSI ruft Unternehmen und Organisationen aller Branchen dazu au:

  • psychosoziale Risiken systematisch in die Gefährdungsbeurteilung einzubeziehen
  • Arbeitsorganisation, Arbeitsmenge, Kommunikation und Führungsverhalten kritisch zu prüfen
  • Führungskräfte gezielt für psychische Belastungen und gesunde Arbeitsgestaltung zu qualifizieren
  • Beschäftigte wirksam einzubinden und eine offene Fehler- und Präventionskultur zu fördern
  • die Expertise der betrieblichen Sicherheits- und Gesundheitsexpertinnen und -experten frühzeitig zu nutzen

„Ein gesundes psychosoziales Arbeitsumfeld entsteht nicht durch Appelle, sondern durch gute Organisation, klare Verantwortlichkeiten und gelebte Prävention“, erklärt Siegmann abschließend. „Der Welttag ist ein wichtiger Anlass – entscheidend ist aber, dass das Thema dauerhaft in den Betrieben ankommt.“

Weitere Informationen zur ILO-Kampagne zum Welttag für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz 2026 finden Sie auf der Kampagnenseite der ILO.

Pressemitteilung zum Download


Pressekontakt: 

Janine Bongers VDSI – Verband für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei der Arbeit e.V. 

Marienstraße 30 

10117 Berlin 

Telefon: +49 30 863 2478-17 E-Mail: j.bongers@vdsi.de www.vdsi.de


Fachlicher Kontakt:

Dr. Silvester Siegmann (Vorstandsvorsitzender),

s.siegmann@vdsi.de


Über den VDSI – Verband für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei der Arbeit e.V.:

Der VDSI, 1951 gegründet, ist der größte Fachverband in Deutschland für Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Umweltschutz. Mit etwa 5.600 Mitgliedern – darunter Ingenieure, Techniker, Mediziner, Psychologen, Chemiker und Umweltbeauftragte aus diversen Branchen – fördert der Verein den fachlichen Austausch, Weiterbildungen und innovative Lösungen für eine sichere Arbeitswelt. Als gemeinnütziger, politisch und wirtschaftlich unabhängiger e.V. engagiert sich der VDSI ehrenamtlich für höchste Standards im Arbeitsschutz, unterstützt durch regionale Netzwerke und bundesweite Veranstaltungen.