Sicherheitsbeauftragte - Beauftragte für Sicherheit und Gesundheit

Hier finden Sie den vollständigen Artikel von Dr. Silvester Siegmann aus der VDSI aktuell 1/2018.

Sicherheitsbeauftragte (Sibe) sind aus den Betrieben nicht mehr wegzudenken. Der Ursprung der Sicherheitsbeauftragten liegt in der Industrialisierung. In dieser Epoche stiegen die Arbeitsunfälle stark an. Die Devise der damaligen Arbeitgeber lautete häufig lapidar Beschäftigte sollten besser aufpassen. Präventive Maßnahmen im Arbeitsschutz waren zu dieser Zeit Fremdworte. Erst ab 1920 wurden neben den Sicherheitsbeauftragten, die ersten Sicherheitsingenieure angestellt. Die Geburtsstunde des innerbetrieblichen Arbeitsschutzes.

In den vergangenen 100 Jahren hat sich der Arbeitsschutz rasant weiterentwickelt. Prozentual machen die Sicherheitsbeauftragten den größten Anteil an Akteuren im Arbeitsschutz aus. Ihnen kommt daher eine große Bedeutung im betrieblichen Arbeitsschutz zu. Es gibt rund 622.000 Sicherheitsbeauftragte. Dies entspricht 87% der Arbeitsschutzakteure in den Betrieben. Die Fachkräfte für Arbeitssicherheit sind hier mit „nur“ 10% vertreten.

Grundlagen für die Tätigkeit der Sicherheitsbeauftragten sind in der DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“ aufgeführt. In § 20 (2) steht „Die Sicherheitsbeauftragten haben den Unternehmer bei der Durchführung der Maßnahmen zur Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren zu unterstützen (…)“. In (4) „Der Unternehmer hat sicherzustellen, dass die Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte mit den Sicherheitsbeauftragten eng zusammenwirken“. Dies ist heute weiter aktuell auch wenn sich die Anforderungen an den Arbeitsschutz stetig wandeln. So haben sich die Aufgaben der Sicherheitsbeauftragten in der Praxis verändert. Auch die Perspektive hat sich gewandelt. Heute stehen der Mensch sowie die Betrachtung der ganzheitlichen Arbeitsbelastung im Fokus. Vor diesem Hintergrund sieht der VDSI die Sicherheitsbeauftragten als „Beauftragte für Sicherheit und Gesundheit“. Diese Bezeichnung sollte aus Sicht des VDSI zukünftig auch in den Regelwerken erscheinen, um der neuen Funktion gerecht zu werden.


Hier einige gewandelte Aufgaben:

•    Stärkere Einbindung in Erstellung und Fortschreibung der Gefährdungsbeurteilung unter besonderer Berücksichtigung von Gesundheitsaspekten.

•    Integration psychosozialer Faktoren in die Gefährdungsbeurteilung, beispielsweise zur ersten Ermittlung von Problemfeldern.

•    Ausübung einer Multiplikatorenfunktion für mögliche Bewältigungsstrategien psychischer Belastungen.

•    Durchführung von Mitarbeiterbefragungen im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung.

•    Mitwirkung bei der Durchführung von Gesundheitszirkeln, um den direkten Austausch mit den  Beschäftigten über gesundheitliche Belastung am Arbeitsplatz zu erreichen.

•    Mitwirkung bei der Erarbeitung von Gesundheitsberichten.

•    Stärkere Einbeziehung altersabhängiger Faktoren menschlicher Leistungsfähigkeit vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. 

•    Vermittlung besonderer Aufmerksamkeit für sicherheits- und gesundheitsrelevante Themen für junge Beschäftigte bzw. Beschäftigte an neuen Arbeitsplätzen.


Kontakt

Dr. Silvester Siegmann
Leiter Fachbereich Betriebssicherheitsmanagement
E-Mail: fb-bsm@vdsi.de